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Der Untergang steht vor der Tür

Der Untergang steht vor der Tür

Digitalisierung ist nichts Neues und nichts Plötzliches. Digital automatisiert wird seit den 80ziger Jahren. Einer meiner ersten Jobs nach Abschluss meines Studiums war die Weiterentwicklung eines aus heutiger Sicht primitiven elektronischen „Kanban“-Boards zur Produktionssteuerung der Fertigungsschichten eines Hamburger Produktionsunternehmens. Ohne dieses Board äußerlich zu verändern wurden in dieser Zeit die Wünsche an die von uns zu realisierenden Algorithmen im Hintergrund immer anspruchsvoller. Ängste hat dieses weder bei uns noch bei den damals beschäftigen Produktionsmitarbeitern ausgelöst.

Heutige Systeme dieser Art sind sehr viel komplexer und intelligenter und sehr viel tiefer in die Produktionsprozesse integriert. Sicherlich gibt es auch Systeme bei einigen Arbeitgeber, über deren Nutzen und Menschlichkeit man nachdenken sollte, die meisten solcher Systeme unterstützen aber die Produktion und die darin arbeitenden Menschen.

In der öffentlichen Diskussion setzen wir unseren Fokus jedoch immer auf die negativen Seiten. Die Chancen und Verbesserungen werden am Rande erwähnt. Die Risiken werden betont und in das Zentrum der Diskussion geschoben, verbunden meist mit dem (Vor-)Urteil, dass sich deren Eintreten ohnehin nicht mehr vermeiden läßt.

Das löst Ängste aus.

Die Realität unserer Vergangenheit

Wenn wir uns die Entwicklung seit Mitte des vorletzten Jahrhunderts betrachten, dann haben sich in den überwiegenden Regionen unseres Planeten die Antworten auf die Fragen aus den unteren Ebenen der Maslowschen Bedürfnispyramide erheblich verbessert. Lösungen zu den Fragen der Ernährung, der Gesundheit, der Bildung, aber auch des Wohlstandes sind weltweit verfügbar, sofern nicht wir deren Anwendung nicht selbst, meist in Form von Kriegen, verhindern.

Schon vor 200 Jahren gab es dieselben Ängste wie heute, erinnern wir uns z.B. an die Weberaufstände im 19. Jahrhundert.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in Zeiten des wirtschaftlichen und technischen Umbruchs tatsächlich viele Arbeitsplätze verloren gingen, das aber auch viele neue entstanden. Die immer wieder befürchtete Massenarbeitslosigkeit blieb aus oder war vorübergehend, jedoch veränderten sich die Arbeitsplätze und stellten neue Anforderungen. Unternehmen mussten sich den neuen Realitäten stellen und mussten in neue Technologie investieren. Auch diese Investitionen schufen neue Arbeitsplätze.

Wir sollten also anstatt mit Angst mit Hoffnung in die Zukunft blicken (und dabei vielleicht ein kritisches Auge offenhalten).

Aber warum fällt uns das so schwer, wenn die Geschichte doch das Gegenteil aufzuzeigen scheint?

Wahrnehmung

Warum sind wir scheinbar eher in der Lage die Gefahren zu sehen und Ängste aufzubauen, anstatt Chancen zu sehen und Hoffnung zu empfinden?

Wahrscheinlich liegt das  an unserer biologisch-psychologischen Urprägung.

In frühen Zeiten in „natürlicher“ Umwelt war es ein “Wettbewerbsvorteil” besonders sensibel Gefahrensignale wahrzunehmen und prophylaktisch darauf zu reagieren. Unbekannte Geräusche oder Bewegungen im Unterholz konnten im besten Fall auf Nahrung in Form von Wild hindeuten, sie konnten aber auch das Annähern eines Raubtieres bedeuten. Auf letzteres vorbereitet zu sein, war überlebenswichtig,  ebenso wie die Verfügbarkeit eines Lösungsansatzes für diesen Fall, sei es Verteidigung oder Flucht.

 

Menschen, die in ihrem Wahrnehmungsfokus nicht über eine ausreichende Dominanz des Negativen verfügten, verschwanden nach und nach im Zuge der Evolution. Diese Dominanz prägt uns (die Nachkommen der Überlebenden) noch heute. Nur im Gegensatz zu heute, war der Zeitraum der Wahrnehmung der Unbekannten kurz, und die Erkenntnis der tatsächlichen Realität erfolgte schnell. Reaktionsmuster waren bekannt und nach dem Überleben der Situation hörten die Alarmglocken auf zu klingen.

Hierin unterscheiden sich die angstauslösenden Elemente heute. Wenn wir heute Dinge wahrnehmen, die uns unverständlich sind, so schleichen diese sich meist langsam in unsere Wahrnehmung hinein, werden dann aber omnipräsent. Und heute fehlen uns die Lösungen und sinnvolle Reaktionsmuster zu diesen Themen. Das Läuten der Alarmglocken wird zu einem ständigen Hintergrundgeräusch. Die früher richtige und wichtige Angst wird zu einem permanenten Begleiter ohne ein Lösungsverhalten auslösen zu können und beginnt krank zu machen.

Die Realität der Gegenwart

Haben Sie schon mal einen Science Fiction Roman gelesen? Den leider wenig berühmten Einen von der Reise zum Mars, bei dem Planung und Technologie so gut war, dass alles funktionierte, in dem das Terraforming erfolgreich gelang und bereits wenige Jahre später die ersten Siedlungen gegründet wurden. Der Roman, in dem alles perfekt ineinandergreift und funktioniert und die Menschen hoffnungsvoll und glücklich sind?

Wohl eher nicht. Wenn er denn je geschrieben wurde, so dürfte er ein Kassenflop geworden sein. Aufgrund unserer Prägung informieren wir uns lieber über die negativen Aspekte unserer Umwelt, über die Missgeschicke anderer oder über Gefahren und wie sie überstanden werden.

Die Schlagzeile „Der Verkehr auf der A2 war gestern ohne Störungen“, obwohl dieses wohl eine echte Sensation wäre, wird auf keiner Tageszeitung prangen. Und beim Plausch mit dem Nachbarn reden wir über Unfälle in der Bekanntschaft, nicht aber über eine ruhige Arbeitswoche. Unsere Medien haben sich darauf eingestellt und befeuern dieses. „Only if it bleeds, it leads“ ist ein Grundsatz im Journalismus, der unserer Gier nach Sensation nachkommt.

Verstärkt wird dieses noch durch eine Vielzahl an Unternehmen, die Ihr Geschäft auf Angst aufbauen. Seien es imminent wichtige Nahrungsergänzungsmittel, weil unsere Nahrungsmittel immer schlechter werden und elementare bisher unbekannte Stoffe darin fehlen, seien es ärztliche Zusatzleistungen oder auch Beratungsunternehmen, die die wirtschaftliche Zukunft als sehr kritisch beschreiben, aber zum Glück dann als einzige am Markt die vermeintlich passende Lösung parat haben.

Wer kann uns etwas über die Zukünft erzählen?  

Fragen wir doch Experten !

Wenn wir diesen jedoch glauben wollen, dann sollten wir uns auf deren Aussagen über die Vergangenheit konzentrieren. In ihren Prognosen über die Zukunft liegen nur sehr wenige Experten richtig.  (Beispiele)

Das mag unter anderem daran liegen, das bereits der Glaube an das Eintreten einer bestimmten Zukunft Kräfte aktiviert, die das Eintreten genau dieser Zukunft verhindern oder diese zumindest beeinflussen.

Auch sind Experten, ebenso wie wir, immer auf Annahmen angewiesen. Diese Annahmen betreffen die den Prognosen zugrunde liegenden Modelle und ihre Vollständigkeit.  Wie hoch ist zum Beispiel die Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter auslösender Momente? Auf der anderen Seite steht die Frage im Raum, sind überhaupt alle Einflussfaktoren im Modell berücksichtigt?  Und wird die Wirksamkeit der Faktoren richtig abgeschätzt?

Wahrscheinlichkeiten und Wirksamkeit abzuschätzen, insbesondere über längere Zeiträume gehört für uns Menschen nicht zu den Stärken, die die Natur uns mitgegeben hat.

Es bleibt eine wichtige Frage:

Und was bringt nun die Zukunft?

Kaufen sie meinen Roman „Travel to Mars, Terraforming and Colonisation“ (wenn es diesen gäbe) über die angesprochene Reise zum Mars und ich kann Ihnen vorhersagen, dass ich mich über die Einkünfte darais freuen, und sie sich ein wenig langweilen werden. Viel mehr Konkretes über die Zukunft kann auch ich Ihnen nicht vorhersagen und das war bereits ein von Ihrem Handeln abhängiger Konjuktiv und mangels Existenz des Buches dazu noch unmöglich.

Zukunft bleibt also schwierig.

 

Das Wenige, das ich Ihnen sagen kann, ist, dass unsere Zukunft nur eine sichere Konstante hat, das ist ihr permanenter Wandel, das sind die stetig eintretenden unvorhersagbaren Veränderungen und Einflüsse. (Über den Umgang damit empfehle ich das Buch “Der schwarze Schwan” von Nikolas Taleb)

In der immer engeren Vernetzung von Informationen werden die Einflüsse mehr und direkter. Der Wandel wird also immer schneller, damit auch unvorhersagbarer.

Diese grundsätzliche Veränderung müssen wir verstehen. Damit wissen wir, dass das Morgen wahrscheinlich anders sein wird, als wie es wir heute erwarten. Wir müssen die real eintretenden Veränderungen akzeptieren ohne sie als Bedrohung zu empfinden.

Schon lange haben sich zum Beispiel die beruflichen Lebensläufe verändert. Mitarbeiter, die in einem Unternehmen eine Lehre gemacht und in diesem Unternehmen ihre berufliche Laufbahn bis zur Rente durchlaufen haben, sind heute die absolute Ausnahme. Schon heute ist es nicht einmal mehr der Regelfall sein Berufsleben in einer Region zu verbringen zu können. Patch-Work-Karrieren sind zunehmend der Standard, bieten aber auch die Möglichkeit die zukünftigen Tätigkeiten an die eigene Erfahrung, an das soziale und private Umfeld und an die gesundheitlichen Möglichkeiten anzupassen.

Wenn wir in der stetigen Veränderung zu Hause sind und uns auf die sich täglich neu bietenden Möglichkeiten konzentrieren, dann brauchen wir keine Ängste davor zu haben.

Ich möchte mich zum Abschluss noch auf einen sehr geschätzten und sehr bekannten “Berater” berufen, den ich hier zitieren möchte:

„Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“ (Immanuel Kant , 1724 -1804)

Dann kann fast nichts mehr schief gehen.

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