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Ist internes Coaching hilfreich ?

Ist internes Coaching hilfreich ?

Business Coaching intern oder extern ?

Als langjähriger Mitarbeiter in einem DAX-Konzern war ich in einer sehr großen und vielfältigen Organisation tätig. Das bedeutet, obwohl immer der gleiche Arbeitgeber konnte ich mit vielen verschiedenen Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen tätig werden. In einigen dieser Aufgaben wurde ich als interner Mitarbeiter der Organisation wahrgenommen, an anderen Stellen nahm man mich aber auch als externer Kollege wahr.

Ich habe beobachtet, dass ich, obwohl ich mit ähnlichen Ansätzen gearbeitet habe, in diesen zwei unterschiedlichen Setups eine sehr unterschiedliche Wirkung erreichte.

Meine Gedanken trennen im Folgenden den Begriff des Coachings und der Beratung nicht. Ich bitte daher die fehlende saubere Trennung mir nachzusehen:

Warum ist das so und welche Folgen hat es?

In einem Umfeld, das dem Coach/Berater bekannt ist (und in dem er bekannt ist) beginnt die Beratung nicht mit einer Analyse oder Anamnese, sondern mit einer bereits bestehenden Historie.

Man hat bereits gemeinsame Geschichten erlebt, sich gegenseitig zu verschiedenen Themen ausgetauscht und gemeinsame oder differierende Meinungen gebildet. Und auch, wenn man die Kollegen, mit denen man arbeitet, vielleicht noch nicht kennengelernt hat, so gibt es Geschichten und Legenden, die zwischen den Schreibtischen existieren und erzählt werden.

 

Damit sind latente Vorabbewertungen der im Beratungs- oder Coachingprozess ausgetauschten Informationen und Wahrnehmungen nicht vermeidbar. Auch wird es emotionale Interessen aus der gemeinsamen Vergangenheit geben, wie Loyalitätserwartungen (und deren Enttäuschungen), Freundschaften aber auch in der Vergangenheit möglicherweise enttäuschte Eigeninteressen, die die Wahrnehmung beeinflussen.

Die (immer noch) bestehenden Beziehungen machen es schwierig einen neuen Beziehungsaufbau zum Coachee oder zu den Teams zu starten. Dieser aber ist eigentlich wesentlich für einen erfolgreichen Coaching und Beratungsprozess.

So wird der Coach vom ersten Moment des Mandats an zu einem integralen Bestandteil des sozialen Systems. Der Coach wirkt also von innen, anstatt von außen Impulse zu geben. Am stärksten wirkt sich dieses aus, wenn man die Coaching-/Beraterrolle übernimmt, während man zeitgleich auch Führungsverantwortung trägt. Dieses kommt immer dann zu tragen, wenn der Vorgesetzte in einer schwierigen Situation auch der Coach für dieser Situation wird.

Es kann auch der Effekt entstehen, dass das Ergebnis der Evaluation bereits vorab wage feststeht und letztendlich durch den Prozess nur bestätigt wird. Zeitgleich kann dem Coach vom Team ein hohes Maß an Eigeninteressen unterstellt werden, was nicht ausgesprochen wird, aber es sehr schwierig macht, neues Wissen zu entdecken und neue Ideen zu entwickeln.

Bestimmte Dinge und Sichtweisen sind Teil der als Realität empfundenen Kulisse und können im Sinne eines gemeinsamen Konsenses oft nicht in Frage gestellt werden. Die hinter der Kulisse befindlichen möglichen Realitäten bleiben verborgen, obwohl gerade diese die Möglichkeiten für Veränderungen schaffen würden.

 

Also gilt es dieses zu vermeiden?

Nein, internes Coaching hat auch seine Vorteile. In den Teams existieren Paradigmen zu bestimmten Fragen. Einige sind selbstgeschaffen und auflösbar, andere sind fixe Gesetze, die Teil der Unternehmenskultur sind und damit meist nicht zu Disposition stehen.

Solche Gesetze sind undokumentiert, wirken sich aber wesentlich auf das Miteinander im Unternehmen und im Verhältnis gegenüber langjährigen Kunden aus. Interne Berater kennen diese und berücksichtigen sie, ein externer Berater kann dazu verleiten, diese in Frage zu stellen, oder ggf. in Frage stellen zu lassen, was im ungünstigen Fall negative Folgen für den Cochee haben kann.

Größere Unternehmen bieten oft Supportfunktionen, die genutzt werden könnten, aber im Team nicht bekannt sind. Auch ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein interner Berater Bereiche kennt, in denen ähnliche Lösungen bereits erarbeitet wurden und kann Kontakte herstellen. Hier bringt der interne Berater Wissen mit, das hilfreich sein, über das ein externer Berater jedoch nicht verfügen kann, oder für dessen Entdeckung er viel Zeit benötigt.

 

Fazit

Der externe Berater kann in Unkenntnis der vielen Aspekte der sozialen Netze, Strukturen und Gesetze im Rahmen kreativitätsauslösender Verunsicherung über das Ziel hinausschießen und ist möglicherweise aus Unkenntnis Einschränkungen real vorhandene hilfreiche Ressourcen anzubieten, hat aber andererseits genau aus diesen Gründen mehr Freiräume und möglicherweise auch mehr Wirksamkeit.

Der interne Berater wird in seiner Funktion durch eine gemeinsame Historie und existente Paradigmen behindert. Seine Tätigkeit wird vor diesem Hintergrund bewertet und wirkt damit oft weniger oder anders als beabsichtigt. Auch unterliegt er langfristigen Eigeninteressen, die es ggf. erforderlich machen, mit einer gewissen Vorsicht zu agieren.

Welche Empfehlung leite ich daraus ab?

Die ideale Lösung wäre ein Coaching- / Beratungsteam aus einem internen Coach und einem externen Coach, denen es gelingt ein persönliches Verhältnis auf Augenhöhe zu etablieren, dass beiderseitig Kreativität und Knowhow in den Fokus der Sache stellt.  

Wichtig für einen externen Berater ist es, die notwendige Sensibilität in der Beziehung zu den Mitarbeitern des Auftraggebers zu pflegen.  Er hat aber den Vorteil, dass er von außerhalb des bestehenden sozialen Systems wirkt und per se keine blinden Flecken aus der Historie des Unternehmens mitbringt. Somit kann er mehr Kreativität auslösen und mehr Paradigmen in Frage stellen, die in der aktuellen Situation hinderlich sind.

 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Eike.Eilks

    Servus,

    auch immer mehr Führungskräfte versuchen sich als Coaches ihrer MA und lassen sich entsprechend ausbilden. Trotz einer eindeutig internen Position halte ich dieses für sinnvoll. Um heute erfolgreich führen zu können sollten solche Kompetenzen heute der Standard sein.
    Diesen Aspekt haben Sie leider nicht berücksichtigt.

    1. Eike.Eilks

      Im Grundsatz stimme ich Ihnen zu, jedoch habe ich nicht die Führungskraft als Coach seiner Mitarbeiter im Auge gehabt. Hier ist das persönliche Verhältnis wichtig und Coachingkompetenzen sind Bestandteil des Führungsalltages. Und ausser bei Interim Managern mit temporären Mandaten sind Führungskräfte per se immer intern.

      Ich hatte bei meiner Betrachtung die Tätigkeit eines Beraters / Coaches im Auge, der die typische Aufgabe übernommen hat, einen bestimmten Missstand zu reduzieren oder aufzulösen.

      Ich finde aber Ihre Anregung sehr gut. Vielleicht ein zukünftiges Thema.
      Eike Eilks

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