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"Elemente" der VUCA-Welt

VUCA ist ein Akronym für die Begriffe volatility, uncertaintycomplexity und ambiguity und stammt wie viele andere Begriffen aus dem militärischen Bereich. Er entstand in den frühen 90ziger Jahren, als sich die NATO, die bis Dato auf ein klares Freund/Feind-Einsatzszenario ausgerichtet war, durch den Zusammenbruch des Warschauer Paktes einer multilateralen Welt mit vielfältigen Interessen gegenüber sah.  

In den späteren 90ziger Jahren wurde der Begriff mit Aufkommen der Möglichkeiten des Internet’s auch seitens anderer Organisationen ebenso wie von der Wirtschaft übernommen. In der Wirtschaft beschreibt er abstrakt die heute real bestehenden schwierigen Rahmenbedingungen für die Unternehmensführung ( Siehe Gabler-Wirtschaftlexikon), wird in diesem Sinne aber auch auf Gesellschaft und Politik übertragen. 

In der Realität der VUCA-Welt in Gesellschft und Politik sehe ich eine der wesentlichen Ursachen für den derzeitigen Erfolg von Populismus und Fundamentalismus, der genau diese Komplexität verneint und sie diese durch einfache Geschichten und Statements ersetzt, die zwar selten einer Überprüfung standhalten, aber dem Sehnen nach ein einfachen und verständlichen Welt nachkommen.

Unbeständigkeit (Volatility)

Flüchtigkeit und Geschwindigkeit wachsen

Definition: In den klassischen Wirtschaftswissenschaft ist die  Volatilität definiert als die Standardabweichung der Veränderungen von Wertpapieren, Beteiligenungen und  Renditen. Im wirtscahftlichen Sinne beschreibt Volatilität also das Risiko, dass mit einem finanziellen Engangement verbunden ist. (⇒ Wikipedia )

In den aktuellen Politik- und den Managementwissenschaften wurde der Begriff als Synonym für die Geschwindigkeit und Quantiät von Veränderungen übernommen, unabhängig davon, ob diese Veränderungen quanitifizierbar und messbar sind. Er bezieht sich also auch auf Veränderungen von Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel der Stabilität von Regierungen, von der Langlebigkeit von  Gesetzen, gesellschaftlichen Präferenzen und Werten u.s.w., sofern diese einen Einfluß auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben.

Das unsere Staaten, Unternehmen, Gesellschaften und wir als Individueen in einem volatilen Umfeld leben ist nicht neu. Neu ist aber die Geschwindigkeit mit der die Veränderungen eintreten und wirksam werden, und ggf. wieder verschwinden bzw. ersetzt werden.

Das Begriff  „Volatilität“ beschreibt also den beständigen Wandel der umgebenden Realitäten in Verbindung mit der Wahrnehnung einer ständig  zunehmenden Innovationsgeschwindigkeit. 

Unsicherheit (Uncertainty)

Alles kann auch ganz anders sein

Definition: Als Unsicherheit bezeichnet man einen bewusst wahrgenommenen Mangel an Sicherheit, Verlässlichkeit oder Überprüfbarkeit. Diese Unsicherheit basiert auf einer Unsicherheit der Informationen, wirkt bedrohend und wird ab einer bestimmten Größenordnung als Gefahr wahrgenommen. 

Auf Basis unseres heutigen Wissens erwarten wir eine wahrscheinlich zukünftig eintretende Zukunft. Diese Erwartung legen wir als Basis für Entscheidungen zugrunde, oft mit dem Ziel diese Zukunft noch zu beeinflussen oder zu vermeiden, bzw. unsere Position in dieser Zukunft zu verbessern.

Trotz (oder aufgrund) der heutigen Möglichkeiten Informationen zu erhalten wird es zunehmend schwierig die Zukunft verlässlich zu beschreiben, da die Informationen einerseits immer mehr und vielschichtiger werden und andererseits deren Verlässlichkeit immer mehr abnimmt.

Auch erwarten wir, daß im Zeitraum zwischen heute und dieser Zukunft Ereignisse eintreten werden, die heute noch nicht absehbar sind, aber relevant sein werden.  (siehe: Taleb: Der schwarze Schwan )

Die von uns empfundene Ungewissheit basiert auf diesem Der Mangel an Berechenbarkeit und darauf, daß uns zusätzlich auch das Gefühl verloren geht die wichtigen Themen und Ereignisse zu verstehen.

Zusammenfassend beschreibt der Begriff „Uncertainty“ das Empfinden, dass Prognosen nicht möglich und somit auch Pläne wenig sinnvoll sind.

Komplexität (Complexity)

Das Ganze noch im Überblick?

Komplexität beschreibt das Verhalten eines Systems, in dem viele Komponenten und Teilsysteme auf unterschiedliche Arten miteinander interagieren und sich gegenseitig beeinflussen, die also dem Sinne des Wortes nach miteinander verflochten sind. Im Gegensatz zu einem komplizierten System (wie z.B. einem Uhrwerk) ist die Gesamtreaktion eines solchen Systems damit für uns nicht verlässlich vorhersagbar. 

Komplexität ist im Regelfall eine Frage der Wahrnehmung. Sie entsteht in der Schwierigkeit, dass unsere Wahrnehmung nur eine begrenzte Anzahl von Elementen in einem System vollständig wahrzunehmen kann.

Wenn wir also in  der Lage sein wollen, die Funktion des Ganzen zu verstehen (zum Beispiel, um aufgrund von Vorhersagen Entscheidungen zu treffen), dann darf diese Grenze nicht überschritten werden, sonst wird das System mit seinen Kausalitäten für uns unverständlich.

Das Ausmaß der Komplexität eines Systems ergibt sich aus Menge der Details und Elemente, die in dem System wirken und die Anzahl unabhängige Interaktionen von Teilgrupen der Elemente, die vereinfachende Abstraktionen be- bzw. verhindern. In vielen System wird die Komplexität zusätzlich durch unabhängige, sich teilweise widersprechende Zielsetzungen einzelner Teilsysteme gesteigert. 

Soziale, gesellschaftliche und kulturelle Systeme sind damit im Regelfall komplex. In diesen müssen jedoch unsere Unternehmen agieren. Komplexität bedeutet also eine Dynamisierung der Systeme, in denen wir leben. Durch die zunehmende Vernetzung durch das Internet ergeben sich viele neue Optionen, bei gleichzeitiger Steigerung des Risikos von Verwirrung und Fehlentscheidung aufgrund von Fehlinformation.

Komplexität ist also ein Systemverhalten, das auf Impulse quasi unabhängig von einfachen (und scheinbar verständlichen) Ursache-Wirkungs-Zusammenhangen reagiert.

Mehrdeutigkeit (Ambiguity)

eindeutig uneindeutig

Informationen und deren Interpretationen stehen uns heute quasi inflationär zur Verfügung. Nur wenige Informationen haben eine beständige Qualität. Die richtige Interpretation einer Information ist dabei oft ebenso wichtig, wie die Information selber. Dabei sind uns die Quellen der Information oft nicht bekannt.

Die Mehrdeutig von Informationen ist jedoch nichts neues. Neu ist, dass die Möglichkeiten der neuen Medien zunehmend eine intensivere Wahrnehmung der Mehrdeutigkeiten forcieren und so subjektiv Gefühle von Unsicherheit verstärken.

Dabei ist die Mehrdeutigkeit nicht auf Pro und Contra beschränkt, sondern läßt viele, oft orthongonale, Möglichkeiten in Quantiät und Qualität zu. Damit kann ein und die gleiche Information, je nach Interpretation, sowohl für, als auch gegen eine Entscheidungsalternative wirken.

Hieraus ergibt sich, dass sich einfache Ursache-Wirkungszusammenhänge nur noch sehr beschränt ableiten lassen. Die Realität wird unverständlich und irritierend. Erprobte und bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle und Prozesse lassen in ihrer Wirksamkeit nach oder sind sogar kontraproduktiv. Nur Unternehmen, die neue, oft individuellen Lösungen zu entwickeln in der Lage sind, können temporär Wettbewerbsvorteile zu generieren. 

Ambiguität beschreibt das Faktum, das aufgrund der Mehrdeutigkeit von Informationen falsche Interpretationen und Entscheidungen wahrscheinlich sind.

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