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Was kosten Interim Manager ? Der Versuch eines Vergleiches

 Arbeitskosten in Deutschland

Arbeitskosten in Deutschland sind bezogen auf die Zeiteinheiten sehr hoch. Sie sind meiner Meinung nach aber aufgrund einer sehr hohen Produktivität konkurrenzfähig, auch wenn in der Öffentlichkeit oft anderes kommuniziert wird. Viele Unternehmen, die aus solchen Gründen Produktionsschritte in das Ausland verlagert haben, haben schlechte Erfahrungen gemacht und machen diesen Schritt derzeit wieder rückgängig.

Verlagerungen erfolgen aber durchaus auch innerhalb von Deutschland. Das Outsourcing von Unternehmensfunktionen hat immer noch Konjunktur. Mal betrifft es die Instandsetzung, mal die Lagerverwaltung oder die Gehaltsabrechnung und inzwischen gibt es auch Modelle, das gesamte Management in separate wirtschaftlich unabhängige Organisationen auszugliedern. Diese Modelle möchte ich hier nicht analysieren und beurteilen.

Sicherlich ist Interim Managment auch eine Form von Outsourcing, jedoch stehen hier andere Gründe im Vordergrund. Aufgrund eigener Betroffenheit möchte zum Thema Kosten von Interim Management einen Vergleich durchführen und damit widerlegen, dass die von Interim Managern verrechneten Tagessätze im Vergleich zu internen Managern mit gleichen Aufgaben zu hoch sind.

Was kosten Interim Manager? Ein Vergleich.

Interim Management ist vom Ansatz her eine temporäre Lösung für Situationen und Aufgaben, die entweder nicht von Dauer sind oder für die eine dauerhafte Lösung zwar beabsichtigt und in Erarbeitung, aber noch nicht verfügbar ist. (Vakanzüberbrückung)

Obwohl solche Situationen nicht selten sind, gibt es Vorbehalte Interim Manager zu beauftragen, die diese temporäre Lösung realisieren.

Die wesentlichen Vorbehalte sind:

  • Der Interim Manager kennt das Unternehmen nicht und kann daher nicht effizient sein
  • Eignung kann aufgrund sehr speziellen Marktes nicht möglich sein
  • Die Kosten für Interim Management sind zu hoch

Diese Beurteilungen basieren auf in den Unternehmen bestehenden Vorstellungen über Möglichkeiten und Natur des Interim Managements. Unterzieht man diese Vorstellungen einer sachlichen Beurteilung sind alle drei Argumente widerlegbar.

An dieser Stelle möchte ich mich insbesondere auf den letzten Punkt konzentrieren und diesen in einer sachlich klärenden Korrektur widerlegen.

Folgekostenrisiko

Den Kosten, die ein Interim Manager dem Auftraggeber gegenüber verrechnet, stehen die Kosten gegenüber, die ohne seinen Einsatz entstehen würden, die aber im Regelfall nicht erfasst werden oder teilweise auch nicht exakt erfasst werden können. Dennoch können diese Kosten durchaus erheblich sein.

Wird zum Beispiel die vakante Stelle einer Führungskraft über einen längeren Zeitraum nicht besetzt und stattdessen von einem oder mehreren Kollegen „miterledigt“, so führt das im Regelfall zu einer reduzierten Qualität in der Führung. Dieses wird als fehlende Wertschätzung in den betroffenen Teams wahrgenommen und hat meist ein Nachlassen der Motivation bis hin zu einem Ansteigen der Fluktuation zur Folge. Die hierdurch notwendigen Nachbesetzungen verursachen erhebliche Kosten für das Recruiting, ebenso wie für die Einarbeitung und Teamintegration. Diese Kosten können schnell ein Vielfaches der Kosten eines professionellen Interim Managers ausmachen. Auch ist durch die entstehenden Mehrbelastungen der Führungskräfte mit einer Reduktion der Qualität in ihrer Tätigkeit zu rechnen, was zu Fehlern und anschliessendem Mehraufwand führen kann, der widerum die Belastung nach oben treibt.

Noch stärker können die Kosten bei Einsatz von Mitarbeitern in speziellen Aufgaben sein, wenn diese nicht über eine adäquate Ausbildung und Erfahrung verfügen. So kann z.B. insbesondere im Bereich des Change-Managements fehlende Kompetenz und Erfahrung dazu führen, dass die beabsichtigte Veränderung ausbleibt, statt dessen sich aber in der Belegschaft eine Entfremdung gegenüber dem Management aufgebaut.

Nettokostenvergleich

Betrachtet man nur die reine Kostenseite eines Interim Managers im Vergleich zu einem festangestellten Mitarbeiter, so fällt die Bilanz des Interim Managers trotz der üblichen Tagessätze eher zugunsten des Interim Managers aus.

Interim Manager verrechnen an den Auftraggeber ausschließlich die geleisteten Tagessätze zzgl. der Spesen, die im Rahmen seines Mandats anfallen (z.B.: Reisekosten, wie Anreise und Übernachtungskosten). Arbeitsfreie Tage wie Urlaub, Erkrankung und Weiterbildung werden nicht verrechnet.

Auch fallen keine „Sonderzahlungen“ aus betrieblichen Regelungen und Tarifverträgen (z.B.: vermögenswirksame Leistungen, Urlaubsgeld, 13. Gehalt, Boni, etc.) an. Erfolgsprämien können vereinbart sein, sind jedoch die Ausnahme.

Notwendige Kosten für Arbeitsmittel wie Firmenwagen, Mobiltelefon oder PC müssen nicht vom Auftraggeber getragen werden. Interim Manager nutzen üblicherweise in ihren Mandaten die eigene Infrastruktur, die in der Vergütung inkludiert ist. Ausnahmen sind vom Auftraggeber vorgegebene Rahmenbedingungen, wie IT-Sicherheits-Regeln oder BMWI-Vorgaben, die den Einsatz firmenfremder Infrastruktur begrenzen.

Gesetzliche Nebenkosten wie Kranken- und Sozialversicherung, Arbeitslosenversicherung, betriebliche Altersvorsorge aber auch Unfallversicherung entfallen ebenfalls. Diese trägt der Interim Manager selber und zahlt diese aus vereinbarten Vergütungen.

Trennungskosten

Im Gegensatz zu festangestellten Managern können die Mandate eines Interim Managers jederzeit kurzfristig beendet werden, ohne dabei Kündigunsfristen, Weiterbezahlungszeiträume oder Abfindungen berücksichtigen zu müssen. Solche Effekte erhöhen die „Trennungskosten“ bei festangestellten Managern erheblich.

Fazit

Würde man unter diesen Aspekten die Kosten berechnen, die ein interner Manager verursachen würde, wenn dieser die gleiche Leistung erbringt, die der Interim Manger erbringen soll, so kann man davon ausgehen, dass diese Kosten pro Tag zwischen 0,8% und 1,3% des steuerpflichtigen Jahresbruttoeinkommens der internen Managers betragen. Unternehmen die kalkulatorische Kostenverrechnungssätze für Manager ermitteln, landen in den meisten Fälle in etwa auch bei diesen Sätzen. Dieses entspricht im wesentlichen den von dem Interimanagern verrechneten Tagessätzen.

Zudem spricht für den Interim Manager, dass bei der Auswahl eines geeigneten Kandidaten explizit die fachliche Qualifikation berücksichtigt werden kann, während bei einer internen Beauftragung die bestmögliche Auswahl aus den verfügbaren Kräften erfolgt und geklärt werden muss, wie die bis dato von diesem Manager wahrgenommenen Aufgaben weitergeführt werden.

 

Weitere Informationen und eine strukturierte Kalkulation erhalten Sie beim AIMP –> Arbeitskostenvergleich

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