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Digitaler Wandel

Digitale Revolution

Der Begriff des digitales Wandels (auch digitale Revolution) bezeichnet eine Entwicklung, die seit den 80ziger Jahren unsere Gesellschaft in allen Bereichen beeinflusst und verändert.

Technologisch betrachtet bedeutet der Einsatz digitaler Technologie zunächst nur, dass Informationen der realen, analogen Welt in digitale Messwerte umgewandelt werden. Diese Messwerte beschreiben bestimmte Ausprägungen der realen Welt und bilden diese somit ab. Digitale Werte sind im Gegensatz zu analogen Werten einfach zu speichern und jederzeit verfügbar. Durch die Verknüpfung beliebiger digitaler Daten mit Hilfe von Algorithmen können neue Erkenntnisse gewonnen und Muster erkannt werden.

Getrieben und beschleunigt wird dieser Prozess durch die Geschwindigkeit der Entwicklung der digitaler Technologien, die, folgt man dem Mooreschen Gesetz, ca. alle 18 Monate die verfügbare Kapazität verdoppeln.

Neue immer performantere Formen der Kommunikationstechnologie forcieren diese Entwicklung (digitale Infrastruktur z.B. Internet, mobile Kommunikation), die kostengünstig für jedermann verfügbar geworden ist. Die Informationsformen, die heute verarbeitet werden, reichen von einfachen und mehrdimensonalen Messwerten, über Publikation von Texten, weiter über die Auswertung von Bildern und Audiodaten bis hin zur automatisierten Analyse von Videosequenzen und deren Manipulation in Echtzeit.

Veränderungen durch den digitalen Wandel

Der Digitale Wandel hat bereits wie selbstverständlich in unser privates Leben Einzug genommen. Beispiele sind:

  • Für einen Großteil der Bevölkerung ist es heute selbstverständlich das Internet zur Gestaltung von Freizeit und privaten Anliegen zu nutzen. Insbesondere in unserem Kaufverhalten wandern wir ab von den klassischen Einzelhändlern und Fachgeschäften und wenden uns global agierenden virtuellen Marktplätzen zu. Die Kompetenz des Fachpersonals ersetzen wir durch gleichgesinnte Amateure in entsprechenden Foren.
  • Digitale medizinische Helfer, wie z.B. Fitnesstracker, Blutdruckmessgeräte und Ernährungsapps bilden den Kern des privaten Gesundheitsmanagements, eines Begriffes, der bis in die späten 80ziger Jahre überhaupt nicht bekannt war. Die aktuelle Diskussion stellt die Frage, in wie weit die durch solche Applikationen erfassten Daten an die Systeme der medizinischen Dienstleister und Kostenträger angekopplet werden sollen. (elektr. Gesundheitskarte, gekoppelte Bonusprogramme, DMP/eDMP).
  • Auch die Nutzung von Kraftfahrzeugen wird immer mehr von digitalen Geräten und Funktionen beeinflußt, angefangen vom Antiblockiersystem über  Navigationssysteme bis hin zu komplexen Assistenzsystemen und autonomen Fahrfunktionen.
  • In unseren Häusern setzen sich Smart-Home Anwendungen sich immer mehr durch. Türen, Fenster, Heizung sowie weitere Sensoren und Aktoren kommunizieren miteinander und erfassen die Anwesenheit der Bewohner automatisch, um zum einen ein hohes Maß an Komfort zu erreichen und zum anderen die Klimatisierung möglichst energieeffizient durchzuführen.
  • Heute ist nahezu jeder Mensch weltweit permanent per Telefon, via E-mail oder über Messengerdienste erreichbar und vernetzt. Politische und nationale Grenzen werden in der elektronischen Welt transparent und verlieren ihre Bedeutung, ebenso wie Zeitzonen, politische Systeme und Entfernungen.

Die Digitaltechnik hat einen gravierenden gesellschaftlichen Umbruch verursacht, der noch nicht abgeschlossen ist und deren langfristige  Auswirkungen offen sind. Auch wenn die digitale Technologie zunächst vorallem in Wissenschaft und Technik sichtbar war, beeinflußt sie heute mit Ihrem Möglichkeiten neben der  Wirtschaft auch alle anderen Lebensbereiche.

Damit wird auch der Begriff einer digitalen Revolution verständlich. Das Wort “Revolution” beschreibt üblicherweise Brüche in der Kontinuität von gesellschaftlichen Strukturen, meist verbunden mit oder ausgelöst von dominierenden Kräften. Die Möglichkeiten des digitalen Wandels setzen solche Kräfte frei und führen potentiell zu nachhaltigen Veränderungen. Die vielfältigen neuen Kommunikationsmöglichkeiten machen die Vor- und Nachteile des eigenen gesellschaftlichen Umfeldes und der gelebten Wertestrukturen vergleichbar und fördern weltweit Möglichkeiten regional etablierte Gesellschaftsformen in Frage zu stellen. 

Die Möglichkeiten der digitalen Revolution wirken sich auch im kleinen nachhaltig aus. So hat der digitale Wandel in den letzten zwei Jahrzehnten begonnen, die bisherige Entkopplung der Arbeitswelt, der Produktion, des privaten Bereiches, sowie der öffentlichen Verwaltung zunehmend aufzuheben. Vor 15 Jahren bedeutete das Verlassen des Arbeitsplatzes am Ende der Arbeitszeit den Übergang in die Freizeit. Dieses ist aufgrund ständiger Erreichbarkeit und der umfassenden mobilen Verfügbarkeit aller Daten heute für einen erheblichen Teil der Bevölkerung nicht mehr der Fall. Damit verändert sich die Arbeitswelt und dringt diese immer mehr in den privaten Bereich ein.

Folgen für die Unternehmen

Von den durch den digitalen Wandel ausgelösten Veränderungen sind unsere Unternehmen besonders betroffen. Neben neuen Vertriebs- und Marketingformen ermöglichen sie neue Prozesse in gesamten der Wertschöpfungskette, in deren Überwachung und Steuerung  sowie deren Flexibilisierung.

Für viele Unternehmen wurden zunächst die gravierenden Konsequenzen bezüglich ihrer Marktplatzierung sichtbar. Neben den klassischen qualitativen Aspekten in der Produktion und den Methoden der Preisfindung von Produkten werden andere Faktoren, wie Reaktionszeiten am Markt und die Auffindbarkeit des Angebotes, für die Marktposition überaus relevant.  Heute geht es nicht mehr um die Frage, ob die Unternehmen die neuen Möglichkeiten nutzen und wann, sondern eher nur noch um die Frage wie und im welchem Umfang. Sogar Unternehmen in sehr konservativen Sektoren sind heute gezwungen die neuen Medien als Vertriebskanal zu nutzen, um zu vermeiden am Markt zu verschwinden.

Der digitale Wandel beeinflusst klassisch produzierende Unternehmen genauso wie Dienstleistungsunternehmen und den Handel. Viele Güter verändern dabei ihre physische Natur. Software, Spiele, Literatur und Musik wird heute selbstverständlich eletronisch erworben, ausgeliefert und konsumiert. Es entstehen neue virtuelle Güter, die ohne digitale Technologie nicht mehr genutzt werden können.  Diese generieren bereits einen erheblichen Teil der heutigen Wirtschaftleistung und Wertschöpfung. Die wertschöpfenden Leistungen betreffen Informationen unterschiedlichster Natur, ohne das greifbare Güter dabei eine Rolle spielen. Es entstehen ganz neue Märkte, die eigenen Regeln folgen und deren rechtliche Regelung noch unvollständig ist.

Der digitale Wandel in unseren Unternehmen erfolgt nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie im privaten Bereich. Der private Bereich nutzt die Technologien überwiegend konsumierend, während die Unternehmen den Wandel gestalten und prägen können oder sogar müssen. Laut einer Studie der Euröpäischen Union verfügen aber ca. 47% der Arbeitnehmer in Deutschland nur über unzureichende digitale Fähigkeiten für das Umfeld, in dem sie tätig sind.

Differenzierung der Begriffe

Um den digitalen Wandel zu gestalten muß man diesen verstehen. Dazu ist es wichtig die oft synonym verwendeten Begriff “Digitalisierung( siehe Wikipedia: Digitalisierung) und “Digitale Transformation(siehe Wikipedia : Digitale Transformation) inhaltlich zu unterscheiden und als zwei separate Treiber des digitalen Wandels zu verstehen. So wird es möglich die resultierenden Konsequenzen und Möglichkeiten zu erkennen und die darauf basierenden Handlungsspielräume mitzugestalten.

 

 Wirtschaftliche Folgen

Betrachtet man die wirtschaftlichten und gesellschaftlichen Veränderungen, die synchron mit dem Durchbruch der Informationstechnologie gehen, so fällt auf, dass im Gegensatz zu den vorhergehenden Phasen der Industrialisierung kein gesamtwirtschaftliches Wachstum wahrgenommen werden kann. In den vorhergehenden Phasen kam es jeweils zu Verlagerungen der Arbeitsplätze in neue Branchen und Technologien, die Anzahl der Arbeitsplätze jedoch stieg in Summe ebenso wie die Wirtschaftsleistung und die Produktion.
Der digitale Wandel geht jedoch einher mit einer Phase eines bestenfalls stagnierenden Wirtschaftwachstums. Wie schon in meinen Betrachtungen zum Thema Agilität und VUCA gibt es darauf verschiedene Antworten. Ein wesentlicher Aspekt ist die Sättigung der ehemals von den Anbietern dominierten Massenmärkte für vielfältige Güter.
 
Der digitale Wandels ermöglicht es den Unternehmen kundenorientierter zu arbeiten, in dem die Kunden Teil des Wertschöpfungsprozesses werden. Sie können mit Hilfe digitaler Technologien ein besseres und zielgerichtetes Marketing umsetzen, ihre Produktion energieeffizienter gestalten, den Materialeinsatz minimieren, in dem Verluste und die Kapitalbindung durch Lagerhaltung reduziert werden und auch den Einsatz von Mitarbeitern optimieren und reduzieren. In Summe reduziert dieses Kapitaleinsatz, -bedarf und -bindung in der Wertschöpfung.
 
Die meisten Unternehmen, die heute individuelles Wachstum generieren, generieren dieses nicht als zusätzliches gesamtwirtschaftliches Wachstum, sondern überwiegend als Wachstum zulasten von Konkurrenten auf Basis einer besseren, effizienteren oder kreativeren Positionierung am Markt. Diese Optimierung ist über die gesamte Wertschöpfungskette möglich und nötig,  angefangen von einem effizienteren Marketing über den Einkauf und die Produktion bis zur Auslieferung der Güter oder der Erbringung der Dienstleistung.
 
Hinzukommt, dass die digitalen Prozesse notwendige Teile der Wertschöpfung auf den Kunden verlagern, der diese Dienstleistungen, die vormals mit Aufwand (und damit mit Wertschöpfung) verbunden waren, kostenlos beistellt (Bsp: Online Konfiguration von Fahrzeugen und anderen Produkten). Immer mehr Güter werden nur noch automatisiert und in elektronischer Form (Bsp.: E-Books / Software) vertrieben. Dieses reduziert die Kosten für die Distribution signifikant. Hinzukommt eine erhebliche Reduzierung von Kosten für die Datenerhebung z.B.: für Marktanalysen: Potentielle Kunden stellen diese Daten automatisiert und in sehr hoher Qualität durch ihre Interaktion im Internet quasi kostenlos bereit.
 

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